Wer bin ich? Ein Leben für Transformation


Als Teil meiner Kundalini Yoga Lehrer’innen Ausbildung nehme ich an einer 21-tägigen Sichtbarkeitschallenge teil. In den nächsten 21 Tagen werde ich also täglich etwas posten zu einer Reihe von Fragen oder Themen.

Heute geht es um:

Das bin ich.

Viel kleiner hätte es wohl nicht sein können. Hihi…

Für die Beantwortung dieser Frage braucht es ein ganzes Leben.

Was ist die tiefste Antwort, die ich bisher gefunden habe, die sich durch alle Ebenen meines Selbst zieht? Ego, Wahres Selbst, Unique Self, Evolutionary Unique Self? Oder wie man im Kundalini Yoga sagen würde, Karma und Dharma?

Also fang ich einfach mal an…

In meinem Leben dreht sich alles um Transformation. Transformation ist der rote Faden, der sich durch alles zieht:

Transformation

  • Meines Selbst

  • Der Menschen um mich herum

  • Der Strukturen und Systeme in meiner Umgebung (und in der Welt)

  • Der Weltsichten, Geschichten und Bewusstseinsstrukturen, in denen wir leben

Transformation ist die Mikroebene von Evolution - und insbesondere der Emergenz.

Transformation heißt Bewusstseinswachstum - aber nicht im linearen oder gar exponentiellen Sinn (wo es mehr und mehr desselben in immer komplizierten Zusammenhängen gibt) - sondern im Sinne des Auftauchens völlig neuer Möglichkeiten (neuer integrierter komplexer Ganze - durch Selbstorganisation und Intimität der Einzelteile).

Dadurch entstehen neue Identitäten, die keine Fortführung der alten Identitäten sind.

Wir bewegen uns durch die von Dr. Marc Gafni formulierten Stationen des Selbst (des Aufwachens zu diesen Stationen). Diese Stationen sind übrigens keine linear übereinander angeordneten Stufen - auch wenn es eine gewisse Verwirklichung der vorherigen Stationen braucht, um zur nächsten überzugehen, so befinden wir uns Zeit unseres Lebens immer wieder in all diesen Stationen, mal auf kontext-angemessene Art und Weise, mal auf weniger angemessene oder gar pathologische Art und Weise.

Hier sind die neun Stationen des Selbst:

  • Prä-personal

  • Ego (getrenntes Selbst)

  • Soziales Selbst

  • Falsches Selbst (eine nicht authentische Art zu sein, die sich um einen falschen Kernsatz herum gebildet hat, eine Grundüberzeugung aus unserer Kindheit, dass irgendetwas mit uns nicht stimmt, und mit der wir uns identifizieren - z.B. wenn mein Kernsatz lautet, Ich bin nicht gut genug, dann habe ich vielleicht ein falsches Selbst da herum gebaut, das ganz viel arbeitet (oder Doktortitel oder andere Erfolge ansammelt), und doch ist es nie genug. Die Überzeugung, nicht gut genug zu sein, bleibt und treibt immer weiter an. Oder aber ich habe vielleicht resigniert und versage stets, um damit meinen Kernsatz zu beweisen.)

  • Wahres Selbst (oder Nicht-Selbst) - EINS mit dem ganzen Feld von SEIN (Bewusstsein) und WERDEN (Sehnsucht, Streben, Begehren)

  • Unique Self (unsere einzigartige Verkörperung des EINEN Wahren Selbstes - mit einzigartigen Perspektiven, Qualitäten und Gaben)

  • Unique Shadow (unser ungelebtes Unique Self, das in den Schatten gefallen ist und dort auf verzerrte Art und Weise zum Vorschein kommt - dies gilt es zu befreien und in unser Unique Self zu integrieren)

  • Evolutionary Unique Self (unser Unique Self im evolutionären Kontext, als einzigartige Verkörperung des EINEN evolutionären Impulses)

  • Unique Self Symphony (der Zusammenklang von Evolutionary Unique Selves, die zum Wohle des Ganzen zusammenspielen)

Oder wir bewegen uns durch die Stufen des Aufwachsens - von egozentrischer zu ethnozentrischer zu weltzentrischer zu kosmozentrischer Liebe, Intimität und Bewusstsein.

Und all das zeigt sich ganz konkret im Alltag durch

  • Neue Verhaltensweisen

  • Neue Gewohnheiten (Routinen, Rhythmen und Rituale)

  • Neue vorbereitete Umgebungen***

  • Neue Formen des Miteinanders

  • Neue Strukturen und Systemen

  • Neue Sprache, neue Geschichten und neue Weltsichten

Eine neue Welt taucht auf.

Dieses Interesse an den verschiedenen Ebenen, Methoden und Praktiken der Transformation hat sich in meinem Leben schon früh gezeigt. Dabei ging meine Reise des Lernens und Wachsens u.a. durch folgende Stationen:

  • Ein begonnenes Physikstudium

  • Meine Ausbildung als Dozentin für Ballett, Jazz, Modern Dance und Stepptanz in Holland (Tanzakademie Arnheim) und New York (Alvin Ailey American Dance Center)

  • Über zwei Jahrzehnte Fortbildungen in energetischer Bewusstseinsarbeit, u.a. mit meinen Lehrer*innen Lisa Swidler, Robert Jaffe und Christine Wenzel

  • Systemische Aufstellungsarbeit

  • Systemisches Coaching

  • Integrale Theorie nach Ken Wilber

  • Personal- und Organisationsentwicklung

  • Projektmanagement

  • Trauma-Arbeit (Somatic Experiencing, EMDR, Polyvagal Theory)

  • Kundalini Yoga Ausbildung

Und natürlich, seit 2011, meine intensive Zusammenarbeit mit meinem Lehrer Dr. Marc Gafni - für ca. 7 Jahre als Executive Director des von ihm gegründeten Center for World Philosophy and Religion (aka Center for Integral Wisdom aka Center for World Spirituality) und jetzt als Editorial Director der Great Library of CosmoErotic Humanism.


***Vorbereitete Umgebungen

Die Idee der vorbereiteten Umgebung zieht sich auch durch, seit ich, ca. 1995, mit der Arbeit von Rebeca und Mauricio Wild in Kontakt gekommen bin. [1999 habe ich dann einen Montessori-Kurs gemacht und abgeschlossen - und danach eine Initiative für die Gründung einer Alternativschule im Sauerland gestartet und geleitet.]

Wir alle leben in vorbereiteten Umgebungen. Straßen und Parkplätze sind vorbereitete Umgebungen für Autos. Eine Baustelle ist eine vorbereitete Umgebung fürs Bauen.

Maria Montessori sprach von vorbereiteten Umgebungen für Kinder, in denen Kinder sich normalisieren und von innen gesteuert wachsen und sich entwickeln.

[Die Wilds drückten es, in Anlehnung an die systemische Sicht von Humberto Maturana und Francisco Varela, so aus: Alles Lebendige hat eine halbdurchlässige Membran um sich herum, die die relative innere Ordnung vor dem äußeren (relativen) Chaos schützt. Das gilt sowohl physisch als auch emotional und mental.

Es ist die innere Ordnung, die darüber entscheidet, was durch diese Membran aufgenommen, was abgewehrt und was ausgeschieden wird. Zwinge ich jemandem etwas von außen auf, so ist das gleichbedeutend mit der Penetration (und teilweisen Zerstörung) der Membran.

Werden die emotionalen und mentalen Membranen eines Kindes immer wieder durchlöchert, so weiß es irgendwann nicht mehr, was zu ihm*ihr gehört und was nicht. In einem Alter, in dem sie noch vollkommen abhängig von der Liebe der primären Bezugspersonen sind, an Nullsummenspielen teilnehmen zu müssen und nach Metriken des Gewinnens und Verlierens gemessen zu werden, kommt ebenfalls einer Verletzung dieser Membranen gleich.

Wenn, auf der anderen Seite, das Kind in einer vorbereiteten Umgebung aufwächst, die alles enthält, was es für seine Entwicklung braucht (in der also seine*ihre authentischen Grund- und Entwicklungsbedürfnisse erfüllt werden (können)), kann es sich entspannen und wird in seiner*ihrer Zeit all das lernen, was für ihr*sein Leben wichtig ist.

Zu den Grundbedürfnissen gehören neben den physiologischen und Sicherheitsbedürfnis (nach Maslow) auch die grundlegenden Unique Self Bedürfnisse, wie von Dr. Marc Gafni formuliert: das Bedürfnis, erkannt, geliebt, gewollt, gewählt, [und später auch] gebraucht und begehrt zu sein.

Die Entwicklungsbedürfnisse sind natürlich verschieden in den verschiedenen Entwicklungsphasen: z.B. verschiedene Sinnesmaterialien für die sensomotorische Phase, konkrete Materialien für die konkret-operationale Phase, Räume für Erfahrung und Reflexion der Erfahrungen für die formal-operationale Phase, etc.

Zu diesen Bedürfnissen gehören auch sinnvolle Grenzen, die die Kinder vor aktiven Gefahren schützen (Gefahren, die sie noch nicht selbst einschätzen können), andere Kinder und Erwachsene, die ganz präsent mit ihnen sind.

Die Erfahrung der Wilds zeigt, dass mit dem Jugendalter (dem Beginn der formal-operationalen Phase) die Jugendlichen beginnen, sich für das Leben der anderen zu interessieren. Hier beginnen sie auch von selbst die Erwachsenen in ihrer Umgebung nach ihrem Leben zu fragen. Wie lebst Du? Was ist Dir wichtig? Woran glaubst Du? etc.

Ihre Entwicklungsfrage ist: Wer bin ich in dieser Welt? (Formulierung von Rebeca Wild).

In CosmoErotic Humanism würden wir das als die drei Fragen bezeichnen:

Wo? Wer? Was?

  1. Wo bin ich? Gibt es ein Willkommensschild im Kosmos? Wie funktioniert diese Welt?

  2. Wer bin ich?

  3. Was gibt es für mich zu tun?

Da die Kinder in der vorbereiteten Umgebung immer wieder erfahren haben, dass ihre Membranen und authentischen Bedürfnisse respektiert wurden, können sie als Jugendliche gefahrlos die Ansichten und Ideen der anderen aufnehmen, ohne sich selbst dabei zu verlieren.

Sie können jetzt echte intime Beziehungen mit anderen Menschen und ihren Ideen und Ansichten eingehen.]

Doch wie sieht eine vorbereitete Umgebung für Erwachsene aus?

Eine Umgebung für Entwicklung in noch späteren Entwicklungsphasen?

Eine Umgebung, in der auch unsere Membranen heilen können.

Eine Umgebung für Transformation von uns selbst und der Welt, in der wir leben?

Wirkliche Transformation findet immer im Zusammenklang mit unserer Umwelt statt. Wenn ich mich verändere, verändert sich auch meine Umgebung - und umgekehrt.

Entwicklung kann nur stattfinden, wenn sich meine Überlebensmuster beruhigen und ich mich entspanne. Nur so kann ich auch auftauchende Krisen nutzen, um mich und meine Umgebung zu transformieren und weiterzuentwickeln.

Andernfalls fallen wir bei Krisen eher auf frühere Entwicklungsebenen zurück. Unser Stammhirn übernimmt. Höhere Funktionen werden weitgehend abgeschaltet.

Für diese Entspannung braucht es vorbereitete Räume, in denen ich meine Grund- und Entwicklungsbedürfnisse (dazu gehört für Erwachsene auch das Bedürfnis ein Beitrag zu sein zu immer umfassenderen Kontexten, sowohl im räumlichen als auch im zeitlichen Sinne) erfüllen kann und Inseln in der Zeit, in denen wir die verschiedenen Aspekte unseres Traumes leben.

Es braucht Räume und Zeiten für

  • Studium und Praxis

  • Arbeit und Kreativität

  • Begegnung und Miteinander

  • Feiern, Musik, Tanz, Kultur

  • Garten und Natur

  • Essen und Trinken

  • Rückzugsmöglichkeiten

  • Etc.

Und immer wieder Menschen, die bestimmte Wege bereits etwas weiter gegangen sind, bestimmte Gaben bereits weiter entwickelt haben, als wir, und die mit ihren Erfahrungen, ihrem Wissen und ihrem Bewusstsein, den Raum halten, bei Bedarf Grenzen setzen und Anregungen geben können.

Durch Erfahrung können wir gemeinsam herausfinden, was noch benötigt wird.

Einige der Leitfragen, wenn irgendetwas nicht funktioniert, sollten immer sein:

Welches authentische Bedürfnis ist hier nicht erfüllt?

Aus welcher Entwicklungsphase stammt es? (Geht es hier um die Heilung und Transformation von etwas Altem? Oder um die Emergenz von etwas Neuem?)

Und wie können wir die Umgebung anreichern oder umgestalten, um diesem Bedürfnis Raum zu geben oder es zu erfüllen?

In meinem FreiRaum GEO beginne ich gerade ganz konkret solche Umgebungen (in Raum und Zeit - und auch online) herzustellen. Zur Mitgestaltung dieser Räume lade ich Dich herzlich ein. Sollte Dich das ansprechen, melde Dich gerne bei mir.